Willkommen im Forum

Liebe Besucher,
Liebe Devotees,

nach monatelanger intensiver und freudiger Arbeit an dieser Webseite zusammen mit unserer Webdesignerin bin ich sehr glücklich, dass nun alles soweit vollendet ist. Heute am 9.9.2016
ist zudem der Erscheinungstag von Shrimati Radharani, ein äußerst glücksverheißender Tag
für die Premiere unseres Forums und dieser Webseite als Ganzes.

Anstelle von Verhaltensregeln möchte ich einfach alle TeilnehmerInnen höflich darum bitten,
nett zueinander zu sein und auch bei Meinungsverschiedenheiten – die naturgemäß immer irgendwann bei Diskussionen auftreten werden – stets den guten Ton zu wahren.

Ich freue mich auf einen regen Austausch.

Euer Vedanta

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Der erste Schritt zur Freiheit: Verstehen

Transkript:
Frage/Antwort Hinduismus“ Teil 17
- Bhagavad Gita
, 14. Kapitel
SH Shri Satyanarayana Dasa Babaji

FRAGE 1

Die Gunas erreichen also eine bestimmte Mischung und schaffen eine Persönlichkeit [Charakter], manche aktiver, manche passiver. Ein Punkt, den du angesprochen hast war, dass wir durch spirituelle Praxis die Qualität der Gunas, die auf uns einwirken, verändern. Aber ein anderer Punkt scheint zu sein, dass ein Symptom von einem, der transzendental ist darin besteht, dass, obwohl die Gunas tätig sind, er davon nicht beeinflusst scheint, er also nicht an ihnen haftet [Anm.: leider akustisch unklar]. Das klingt ähnlich wie das, was du am Anfang gesagt hast, dass nämlich Loslösung bedeutet, dass zwar alles da ist, aber man davon einfach nicht kontrolliert wird. Wenn wir uns also spirituell reinigen, was ändert sich eigentlich an unserer Persönlichkeit und was nicht?

ANTWORT 1

Nun, zwei Dinge passieren. Im Allgemeinen, wenn du eine spirituelle Praxis ausführst, wirst du dazu neigen sattvischer zu werden, wenn du es richtig machst. Was bedeutet, dass du natürlich mehr Wissen über das Leben gewinnen wirst - denn Wissen ist eines der Merkmale von Sattva - und Wissen bedeutet richtiges Verständnis dieser Dinge, d.h. du wirst darüber nicht in Verwirrung sein. Du wirst auch anfangen, Wissen zu mögen. Du wirst friedlicher und ausgeglichener im Kopf. Du wirst dich selbst besser beobachten als zuvor und in einer bestimmten Situation in der du früher reagiert hast beginnen, dich damit auseinander zu setzen und nicht sofort zu reagieren. Dann hast du die Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen. Denn eines der Probleme in unserem Leben ist ja, dass wir keine guten Entscheidungen treffen und dies später bereuen. Diese Dinge werden geschehen, das sind die Arten von Veränderungen, die kommen werden. Du wirst diese Eigenschaften manifestieren, du wirst kooperativer, mitfühlender und fürsorglicher für andere werden.

Dies geschieht, weil Sattva immer mehr an Bedeutung gewinnt. Und tatsächlich ändern sich auch die äußeren Merkmale. Nehmen wir als Beispiel unser Gesicht von dem man bekanntlich sagt es sei der Spiegel des Geistes. Wir alle wissen, wenn du in einer wütenden Stimmung bist, sieht dein Gesicht anders aus. Und du weißt es vielleicht nicht, aber wenn du das nächste Mal wütend bist, schau bitte einfach mal in den Spiegel, was du wahrscheinlich noch nie getan hast (alle lachen, auch Babaji). Es ist gut, dich im Spiegel zu betrachten, wenn du in einer wütenden Stimmung bist, wie schön du dann aussiehst! Wenn du in einer glücklichen Stimmung bist sieht dein Gesicht anders aus, und wenn du in einer traurigen Stimmung bist sieht dein Gesicht wieder anders aus. Aber wenn sich deine Natur tatsächlich permanent verändert, dann verändert sich auch dein Gesicht permanent. Du siehst es bei Menschen die ins spirituelle Leben kommen und für einige Zeit richtig praktizieren, d.h. einen guten Sadhana ausüben, dass sich auch ihre Gesichtszüge verändern. Sie werden schöner, attraktiver anzusehen, die Augen werden ruhiger. Das ist also eine Eigenschaft, die du in anderen spüren und wahrnehmen wirst.

FRAGE 2

Gibt es aber bei all dem Wandel noch eine Basis-Persönlichkeit die gleich bleibt?

ANTWORT 2

Ja, Veränderungen sind nicht so einfach. Wie ich schon sagte, wir wollen uns nicht ändern. Eine der Eigenschaften des Egos ist es, Veränderungen zu widerstehen, und die Eigenschaft des Geistes ist es, Veränderungen zu mögen. Man kann das Ego mit Tamas vergleichen, es verändert sich nicht gerne. Und der Geist ist Rajas, er mag Veränderungen. Buddhi dagegen ist eher Sattva.

Es sind also beide Aspekte da: Der Geist ändert sich gerne, aber auch nicht zu sehr, weil da noch das Ego ist was nicht erlauben wird, allzu viel zu ändern (jeder lacht). Der Geist wird sehr schnell gelangweilt, wenn man etwas wiederholt tut. Aber gleichzeitig wollen wir nicht allzu viel verändern. Du willst dich in einem bestimmten Bereich verändern, der im Grunde ähnlich ist, willst dich also nicht drastisch verändern. Du magst keine drastischen Veränderungen. Permanente Veränderung geschieht daher nur unter großer Anstrengung.

Deshalb heißt es, dass man seinen Sadhana unter richtiger Anleitung und mit viel Enthusiasmus ausführen muss, dann erst stellt sich tatsächlicher Wandel ein. Wenn du den Sadhana nicht unter jemandes Anleitung und Betreuung ausführst, was wird passieren? Eine innerliche Änderung findet eben nicht statt. Du wirst viele äußere Veränderungen vornehmen, um dich selbst glücklich zu machen. Weil das Ego nämlich tatsächlich in beide Richtungen arbeiten muss: verändern, ohne sich zu verändern. Natürlich, wenn du einen spirituellen Weg praktizierst oder ihm folgst, möchtest du dich schon ändern, denn das ist ja der Grund, warum du ihm folgst, aber das Ego mag das nicht. Dann verändert man sich halt so, dass man sich nicht wirklich verändert. Dann ändern sich eben viele äußere Dinge. Du kannst einige deiner äußeren Gewohnheiten ändern, gut. Du beginnst damit, früher aufzuwachen, du wirst Vegetarier, aber dein Charakter bleibt immer noch derselbe. Wirkliche Veränderung bedeutet nicht diese Dinge. Früh aufzustehen: Wenn dein Beruf es verlangt, dann tust du das auch. Es gibt viele Menschen, die frühmorgens zur Arbeit gehen müssen, und daher stehen sie morgens früh auf. Aber das bedeutet nicht, dass sie nun spirituell geworden sind. Wann immer sie die Gelegenheit bekommen, schlafen sie länger.

Der innere Wandel erfordert viel Mühe und der Grund dafür ist, dass sich unser materielles Ego nicht so leicht ändern kann - was auch einer seiner guten Aspekte ist. Wie gesagt, alles hat eine gute und eine schlechte Seite. Ein materielles Ego das sich nicht so leicht verändert, hat auch Vorteile. Angenommen du bist verheiratet und hast Kinder, dann hast du also das materielles Ego: „Ich bin der Ehemann dieser Frau und das sind meine Kinder“. Nun änderst du am nächsten Tag plötzlich dein Ego: „Ich bin nicht der Ehemann und das sind auch nicht meine Kinder“ - Die ganze Familie würde zerbrechen! Aber weil sich dein Ego nicht so schnell ändert, bleibst du auch weiterhin so. Nur wenn man sich spirituell verändern muss wird das zum Hindernis, weil es einem dadurch auch nicht erlaubt ist, sich so leicht zu verändern. Die Natur hat uns also bestimmte Dinge für unsere Existenz, für unser Überleben gegeben, aber wenn diese ausufern oder missbraucht werden, dann schaffen sie auch Probleme.

Deshalb müssen wir diese Dinge in der richtigen Perspektive verstehen. Was sind ihre Funktionen? Was ist die Funktion von Ego, Geist, Intellekt? Oder von Emotionen wie Wut, Angst, Lust, Sex? All diese Dinge müssen verstanden werden. Aber normalerweise verstehen wir nicht, warum es etwa Wut gibt? Oder warum müssen wir Sex haben, was ist eigentlich der Wunsch nach Sex, woher kommt er und warum kommt er? Und warum bin ich so sehr davon besessen? Wie kann ich nicht davon besessen sein? Aber wir denken nicht darüber nach. Wir machen diese Dinge die ganze Zeit, aber wir verstehen sie nicht. Verstehen ist wichtig. Ob etwas gut oder schlecht ist und du weißt es, dann ist das hilfreich. Denn wenn man etwas versteht, kann man davon befreit werden. Verstehen ist der erste Schritt zur Freiheit. Wissen ist daher Macht, Wissen ist Tugend und Wissen ist Freiheit. Deshalb sagt Krishna, dass Wissen dich tatsächlich reinigt. Und Wissen bedeutet Wissen über Prakriti, Purusha und Gott, diese drei Dinge.

Eigentlich fühlt man sich bereits glücklich, einfach nur weil man diese Dinge weiß. Dann wird alles wie ein Theaterstück. Dann wirst du wissen, dass diese ganze Welt eigentlich eine Bühne ist auf der sich ein großes Drama abspielt. Dann weißt du, dass du nur ein Schauspieler bist. Aber was passiert? Die meisten Leute wissen nicht, dass sie Schauspieler sind, stattdessen nehmen sie alles zu ernst (Lachen im Publikum). Sie nehmen ihre Rolle so ernst, dass sie darin stecken bleiben. Aber wenn du weißt: „Das ist nur eine Rolle, die ich spielen muss, und ich kann eine Rolle als Ehefrau oder Ehemann oder Mutter oder Vater oder Manager haben“. Du spielst also all diese Rollen, bleibst aber sauber und läufst umher. Das ist die Bedeutung, wenn Krishna sagt, woran kann man eine Person erkennen, die frei von den drei Gunas ist? Dann wird alles zu einem Spaß für dich. Deshalb nennt man es Spiel, ein Drama wird auch Spiel genannt, weil man es nur spielt. Du wirst nicht wirklich wütend auf jemanden, du tötest nicht wirklich jemanden, du schreist nicht wirklich. Tatsächlich wird jeder der dich sieht, denken: „Dieser Kerl ist äußerst wütend.“ Aber innerlich weißt du, dass du nicht wütend bist. Wütend zu werden und gleichzeitig nicht wütend zu werden – das nennt man Freiheit von den drei Gunas. Jeder, der dich von außen sieht, wird sagen: „Oh mein Gott, er ist so wütend!“ Aber im Inneren bist du so friedlich wie ein See bei völliger Windstille. Und du kannst diese Wut jederzeit stoppen. Dann bist du wieder friedlich. Dann bist du wie ein Schauspieler auf der Bühne: Du zeigst deine Wut und dann sitzt du hinter der Tür, wenn deine Wut vorbei ist, und du schlürfst genussvoll Masala-chai [indischer Tee] (alle lachen). Aber wenn du wirklich wütend bist, dann brauchst du bestimmt weitere zwei Stunden, um wieder abzukühlen (alle lachen). Du begegnest dann jeder Situation auf diese Weise. Dann wird alles zu einer Rolle für dich. Du machst es – und du machst es aber perfekt! Ein guter Schauspieler zu sein bedeutet, dass man alles richtig gut macht. So gut, dass die Leute tatsächlich glauben, er sei wirklich wütend. Er ist so versiert darin, dass man nie herausfinden wird, ob er tatsächlich wütend ist oder nicht [Babaji lacht]. Das ist der Grund, warum man bei Menschen, die große Persönlichkeiten sind, nie herausfinden wird, was genau in ihnen vor sich geht. Es ist sehr schwierig, herauszufinden, wo sie gerade stehen. Sie mögen lächeln, sie mögen wütend sein, sie mögen in diese Richtung schauen oder in jene Richtung ... man weiß es einfach nicht.

Deshalb ist es sehr schwierig, Krishnas Geist zu verstehen. Du kannst bei Ihm nicht vorhersagen was Er tun wird. Sehr unberechenbar, Krishna, weil Er an nichts gebunden ist. Vorhersagen bedeutet nämlich, dass ich weiß, dass du von diesen Gunas kontrolliert wirst und wenn diese Situation da ist, verhältst du dich so. Wenn die Ampel auf Rot schaltet, wirst du stehenbleiben, ganz einfach. Aber wenn du keinerlei Verkehrsregeln befolgst werde ich nicht wissen, was du tun wirst. So also funktioniert das.

Interessant, oder? Es ist sehr interessant! Spirituelles Leben ist keine Last, es macht richtig Spaß! Eigentlich ist das der einzige Spaß. Ich frage mich, warum die Leute nicht zum spirituellen Leben kommen [Babaji lacht]. Sie denken, sie haben Spaß. Aber eigentlich kommen sie zu kurz. Wir sind diejenigen, die Spaß haben, die ganze Zeit über. Und warum auch nicht? Das Leben ist dazu gedacht, Spaß zu haben.

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