Willkommen im Forum

Liebe Besucher,
Liebe Devotees,

nach monatelanger intensiver und freudiger Arbeit an dieser Webseite zusammen mit unserer Webdesignerin bin ich sehr glücklich, dass nun alles soweit vollendet ist. Heute am 9.9.2016
ist zudem der Erscheinungstag von Shrimati Radharani, ein äußerst glücksverheißender Tag
für die Premiere unseres Forums und dieser Webseite als Ganzes.

Anstelle von Verhaltensregeln möchte ich einfach alle TeilnehmerInnen höflich darum bitten,
nett zueinander zu sein und auch bei Meinungsverschiedenheiten – die naturgemäß immer irgendwann bei Diskussionen auftreten werden – stets den guten Ton zu wahren.

Ich freue mich auf einen regen Austausch.

Euer Vedanta

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Die Liebe kennt kein Hindernis

Die Liebe kennt kein Hindernis
Seine Heiligkeit Shri Satyanarayana Dasa Babaji Maharaja
(Aus der Vorlesungsreihe „Hinduismus“, Teil 24)

Wir haben eine Vorstellung von Liebe. Wir haben einige Erfahrungen mit der Liebe gemacht. Und wir haben definitiv das Verlangen nach Liebe. Aber das gleiche Wort wird auch für die spirituelle Liebe verwendet. Und die spirituelle Liebe ist völlig anders als das, was ihr kennt und was ihr bisher erlebt habt.

Jetzt kommt die Schwierigkeit. Ihr habt eine Erfahrung der Liebe und ich möchte euch die spirituelle Liebe lehren. Wann immer ich also das Wort „Liebe“ verwende, werdet ihr die Bedeutung für Liebe annehmen, die ihr bereits kennt, die ihr selber erlebt habt.

Wie also soll ich euch das sagen?

Der einzige Weg, wie ich es sagen kann, besteht darin, die Sprache, die ihr kennt, und die Erfahrungen, die ihr gemacht habt, hierfür zu benutzen.

Das ist es, was das Bhagavatam tut. Es versucht, uns die reine bedingungslose Liebe, die höchste Natur Gottes, zu lehren. Gott hat verschiedene Naturen, aber Seine Natur, Seine höchste Eigenschaft, ist die pure Liebe. Und deshalb ist das Bhagavatam die bedeutendste Literatur, denn in anderen Büchern wird diese höchste Natur nicht illustriert. Seine anderen Kräfte, etwa dass Er allwissend ist, dass Er allgegenwärtig ist, dass Er yogische Kräfte hat, dass Er erschaffen kann - all dies wird [in anderen Büchern] beschrieben, und es wird auch hier [im Bhagavatam] beschrieben. Aber was das Bhagavatam eigentlich porträitieren will, ist jene einzigartige Eigenschaft Gottes, die unsere Sehnsucht entfacht und die, wenn wir sie bekommen, die Vollkommenheit unseres Lebens ist. Das ist die reine Liebe.

Das ist die eigentliche Botschaft des Bhagavatam durch diese Geschichten. Und das ist der Zweck von Krishnas Erscheinen hier in Vrindavan. Wie gesagt, Krishna lebte 125 Jahre und war etwa 11 Jahre davon hier [in Vrindavan]. Aber in diesen 11 Jahren zeigte Er die reine Liebe. Auch danach zeigte Er Liebe, aber diese Liebe wird durch Sein Königtum und durch die jeweiligen Protokolle bedingt. Wenn du eine königliche Person bist, dann kommt diese Majestät oder Erhabenheit, und wenn die Majestät kommt, dann wird die Liebe unterdrückt. Hier in Vrindavan hat Krishna diese majestätische Eigenschaft nicht, obwohl er Dinge getan hat, die Ihn außergewöhnlich machen, wie z.B. indem Er zeigte, wie Er den Govardhana Hügel hochhebt. Aber trotzdem verehren die Menschen Ihn hier nicht wie Gott.

Sie sagen zwar: „Jai Krishna!“, aber sie innerlich denken sie:
Er ist unser Freund“.

Deshalb wird ihre Liebe nicht eingeschränkt. Andernfalls, wenn sie erkannt hätten, dass Er Gott ist, dann würde ihre Liebe wieder beschränkt werden und Ehrfurcht und Hochachtung die Oberhand gewinnen.

Du kannst Zweierlei für Gott empfinden, nämlich Ehrfurcht und Respekt einerseits, und Liebe andererseits. In der Liebe gibt es auch Respekt, und im Respekt gibt es auch Liebe. Aber es ist besser, reine Liebe zu haben wobei der Respekt unterdrückt wird, anstatt Respekt zu haben wobei die Liebe unterdrückt wird. Entweder wird Respekt die höchste Position einnehmen und deine Liebe unterdrückt, oder deine Liebe nimmt die höchste Position ein und der Respekt wird unterdrückt.

Dieses Vrindavan hier zeigt die Art von Liebe, in der Respekt zweitrangig ist. Auch wenn Krishna Vrindavan verlässt, zum Prinzen oder König wird und ein Familienleben führt, hat Er liebevolle Beziehungen. Aber dann erheben Ehrfurcht und Respekt ihr Haupt, d.h. Respekt wird in den Vordergrund treten. Deshalb sind diese göttlichen Spiele [in Vrindavan] so genussvoll und werden in Gedichten, in Gemälden, in der Musik, im Theater und im Tanz künstlerisch aufbereitet - überall werden diese Spiele geschildert, weil sie eine Verkörperung jener Liebe sind, die eben nicht durch Respekt eingeschränkt ist. Hierbei offenbart das Rasa-lila die höchste Ausdrucksform dieser Liebe. Denn wenn all dies nicht dargestellt und kontrastiert würde, könnten wir gar nicht verstehen, warum diese Liebe so wundervoll ist.

Es wird hier also gezeigt, dass es nichts gibt, was dich einschränkt.

In einer ehelichen Beziehung zwischen Mann und Frau gibt es gewisse Einschränkungen. In einer Ehe basiert die Beziehung auf der Hochzeitszeremonie. Die Liebe kann da sein oder auch nicht, aber die Beziehung ist immer noch da. Aber im Falle von Freundin und Freund ist es so, wenn Liebe da ist, dann gibt es eine Beziehung, und wenn keine Liebe da ist, dann gibt es keine Beziehung mehr. Es ist also nur die Liebe, die die Beziehung herstellt. Deshalb wird hier beschrieben, dass Krishna nicht mit ihnen verheiratet ist. Das ist der Grund, warum Gott diese Freundinnen hat. Es bedeutet, dass diese Beziehung hier nur auf reiner Liebe basiert und nicht etwa, weil Krishna eine Zeremonie mit Brahmanen gemacht hat und Sich nun um diese Frauen kümmern und Liebe zeigen muss.

[Fortsetzung der Vorlesung nach einer Pause]

Es gibt zwei Arten der Identifikation. Eine davon ist, wenn zwei Dinge zu einem werden, und die andere, wenn zwei Dinge ihre individuelle Identität bewahren, aber eins werden in der Liebe. Diese Einheit in der Liebe ist das, was am genussvollsten ist. Denn wenn zwei Dinge eins werden - wie es in der unpersönlichen Verwirklichung geschieht -, dann gibt es niemanden der genießt, und es gibt auch nichts was genossen wird, denn um zu genießen, muss man zwei Dinge haben. Hier wird also die Identität des Devotees und des Objekts der Liebe, Gott/Krishna, ontologisch bewahrt, aber dennoch gibt es eine Einheit in der Liebe zu einem solchen Ausmaß, dass man den Unterschied zwischen sich selbst und dem Objekt der Liebe überhaupt nicht spürt. Das liegt daran, dass man sich ganz aufgibt. Wie wir den Unterschied zu anderen fühlen, liegt an unserem Ego, an unserem Gefühl der Trennung. Liebe hingegen ist das, was Nähe bringt.

Nähe oder Intimität ist nicht so sehr körperlicher Natur.

Die wahre Intimität ist im Geist, im Herzen, was wiederum auf die Liebe zurückzuführen ist. Ansonsten können auch zwei Personen unter einem Dach leben und trotzdem nicht zusammenleben. Sie haben zwar physische Nähe, aber in ihrem Geist sind sie weit voneinander entfernt. Was hier gezeigt und beschrieben wird, ist also, wie wir eins sein können, wie wir durch die Liebe Einheit erfahren können. Denn körperliche Einheit ist nicht möglich, du kannst nicht 24 Stunden am Tag physisch mit einer Person zusammenleben, auch wenn diese Person deine Geliebte oder dein Ehemann oder deine Ehefrau ist, ihr könnt nicht 24 Stunden täglich zusammen sein, es ist nicht machbar. In der Liebe aber ist es durchaus möglich. Zumindest musst du nachts schlafen, und selbst wenn ihr im selben Bett schlaft, bist du immer noch anders als die andere Person, weil du in deine eigene Traumwelt gehst und die andere Person in ihre eigene Traumwelt.

Aber wenn ihr eine Vereinigung der Liebe habt,
dann seid ihr nie getrennt.
Auch wenn ihr physisch 10.000 Kilometer voneinander entfernt seid,
bleibt ihr trotzdem miteinander verbunden.

Es gibt viele erstaunliche Geschichten, in denen Liebende physisch getrennt waren, aber wenn einem der beiden Partner etwas widerfährt, wirkt sich das im Körper des anderen aus. Das kann man nicht logisch oder wissenschaftlich erklären, und viele Menschen mögen es nicht glauben. Aber, wie gesagt, die Wahrheit ist nicht immer logisch. Die Wahrheit ist etwas, das existiert, und das man akzeptieren muss. Es gab viele solcher Fälle. Ein Verwandter hat einen Unfall und plötzlich ist man ohne ersichtlichen Grund traurig.

Warum passiert so etwas?
Weil die Liebe kein Hindernis kennt.

Auch Entfernung bildet dann keine Barriere. Natürlich ist es so, wenn man jemanden liebt, möchte man dieser Personauch körperlich nahe sein. Aber selbst wenn du ihr nicht körperlich nahe bist, bleibst du im Geist in ihrer Nähe. Deshalb ist auch Krishna in Seinen Spielen manchmal bei Seinem Devotee da und manchmal Er schafft Trennung, und gerade diese Trennung erhöht sogar noch die Intensität der Liebe. Denn in der Trennung kann der Geliebte an nichts anderes denken als an den Liebhaber.

Dies ist auch eine der Bedeutungen davon, wenn Krishna in den Wald geht, um Kühe zu hüten. Er ist voller Liebe für Seine Eltern und Seine Freundinnen, all diesen Frauen in Vraja. Aber jeden Tag, wenn Er in den Wald geht, entsteht ein Gefühl der Trennung, und durch diese Trennung sind sie alle bei Krishna in einer sehr innigen Stimmung der Liebe. Und wenn Er am Abend [ins Dorf] zurückkehrt, gibt es die Wiedervereinigung. Aber wenn er zurückgekehrt ist, fühlen sich nun alle Vögel, Waldtiere und Bäume von Krishna getrennt. Es wird beschrieben, dass, wenn Krishna am Abend ins Dorf zurückkehrt, ihm alle Vögel und die Tiere aus dem Wald hinterherlaufen [bzw. -fliegen, -kriechen, -springen, -watscheln 🙂 ], bis er das Dorf betritt, woraufhin sie wieder umkehren und auf Ihn warten, bis er am nächsten Tag wieder kommt. Wenn Krishna dann am Morgen wieder kommt, sind alle Tiere überglücklich und folgen Ihm wieder überall hin nach.

In Seinen Spielen schafft Krishna
Trennung und Vereinigung,
Trennung und Vereinigung,
...
Das ist der Weg, um die Liebe zu genießen.

Liebe wird so genossen. Wenn es immer nur Zusammensein gäbe, wäre es lange nicht so genussreich, wie wenn eine gewisse Trennung geschaffen wird und man dann wieder ein Zusammentreffen hat. Auf diese Weise nimmt die Intensität der Liebe immer weiter zu. Deshalb sind Krishna und Seine Devotees auch nie gelangweilt voneinander. Ihre Liebe ist immer frisch und nimmt ständig zu. In der materiellen Welt sieht man, dass, wenn Menschen sich verlieben, die Liebe zunächst sehr intensiv ist und mit der Zeit aber die Intensität nachlässt.

Bei Krishna ist es genau umgekehrt. Im Laufe der Zeit nimmt die Intensität der Liebe immer weiter zu und es gibt da keine Grenzen, denn in der spirituellen Welt ist alles unendlich. So nimmt die Liebe der Gopis zu Krishna und die Liebe Krishnas zu den Gopis ständig zu. Und weil diese Liebe immer stärker wird, fühlen sich die Gopis bei Krishnas Anblick jedes Mal so, als hätten sie Ihn noch nie gesehen, als ob sie Ihn in diesem Moment zum allerersten Mal sehen würden. Deshalb ist ihre Sehnsucht, ihre Neugierde, Ihn zu sehen, so stark, dass sie sogar Brahma [für seine misslungene Schöpfung] verfluchen:

Warum nur hat dieser Banause diese verflixten Augenlider geschaffen?“

Weil eben die Augenlider zum Ärgernis werden.

Versucht euch einmal diese Intensität der Liebe vorzustellen, die die Gopis für Krishna haben, sodass selbst ein Augenblinzeln als Behinderung empfunden wird, wenn sie Darshan haben. Das ist der ultimative Darshan. So intensiv ist die Liebe, die sie haben. Sie sagen, dass ihnen, wenn sie von Krishna getrennt sind, ein Augenblick wie Millionen von Jahren erscheint.

Die Zeit ist ein sehr interessantes Phänomen. Du kannst ein und dieselbe Zeitspanne entweder als langsam oder schnell verstreichend wahrnehmen. Wenn du Schmerzen hast, scheint die Zeit sich in die Länge zu dehnen. Wenn du etwa nachts nicht einschlafen kannst, dann scheint die Nacht nie enden zu wollen. Aber wenn etwas angenehm ist, alles läuft sehr gut, dann denkst du: „Wow, eine Stunde ist so schnell vergangen!“

Auch bei Krishna ist es so. Wenn die Gopis mit Krishna zusammen sind, dann vergeht die Nacht wie im Flug. Wenn sie sich aber in Trennung von Ihm befinden, sieht es so aus, als würde die Zeit den Atem anhalten.

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