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Liebe Besucher,
Liebe Devotees,

nach monatelanger intensiver und freudiger Arbeit an dieser Webseite zusammen mit unserer Webdesignerin bin ich sehr glücklich, dass nun alles soweit vollendet ist. Heute am 9.9.2016
ist zudem der Erscheinungstag von Shrimati Radharani, ein äußerst glücksverheißender Tag
für die Premiere unseres Forums und dieser Webseite als Ganzes.

Anstelle von Verhaltensregeln möchte ich einfach alle TeilnehmerInnen höflich darum bitten,
nett zueinander zu sein und auch bei Meinungsverschiedenheiten – die naturgemäß immer irgendwann bei Diskussionen auftreten werden – stets den guten Ton zu wahren.

Ich freue mich auf einen regen Austausch.

Euer Vedanta

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Sei selbstisch - was sonst?

Sei selbstisch – was sonst?
SH Shri Satyanarayana Dasa Babaji Maharaja
Transkript von "Hinduismus" Teil 22, Frageteil

FRAGE

Ich habe mich gefragt, wie wir sinnvolle Beziehungen pflegen können, die nicht unbewusst selbstisch sind. Denn es wird ja gesagt, dass alles was wir tun, in welcher Beziehung wir stehen, eigentlich nur für uns selbst ist. Wie also gehen wir vor diesem Hintergrund eine sinnvolle Beziehung ein, die nicht einfach nur auf Selbstisch-sein gründet?

ANTWORT

Selbstisch zu sein ist nicht schlecht, wenn man das Selbst versteht. Das Problem ist, dass wir das Selbst missverstehen und dann Selbstisch-sein zu einem Schimpfwort wird. Wir sagen: "Oh, dieser Kerl ist aber sehr selbstisch". Aber was kannst du sonst noch sein? Du kannst nichts anderes als selbstisch sein - weil du ein Selbst bist.

Genau wie wenn du einen Apfel hast, wird dieser Apfel "apfelig" sein (lautes Lachen unter den Zuhörern). Ja, man kann sich gar nicht vorstellen, dass ein Apfel etwa "tomatig" ist, das wäre gefälscht oder betrügerisch. Wir sind also ein Selbst und können daher nicht anders als selbstisch sein. Das Problem, warum Selbstisch-sein als schlecht angesehen wird, liegt darin, dass wir uns mit dem Körper, der nicht unser Selbst ist, falsch identifizieren. Und wenn wir uns mit dem Körper als unserem Selbst falsch identifizieren, dann tauchen Probleme auf. Dann versuchen wir in unseren Beziehungen dem Körper zu dienen, was ein Fehler in sich ist. Dann wurzelt alles in dieser Fehlinterpretation. Dann wurzelt deine Beziehung in einer Fehlinterpretation. Du hast sozusagen mit dem falschen Fuß angefangen. Und alles was du danach tust wird diesen Fehler widerspiegeln, früher oder später. Aber wenn du erkennst, dass du das Selbst bist, getrennt vom Körper, und du bist in einer Beziehung, dann kannst du ruhig selbstisch sein, das ist kein Problem sondern gut. Denn dann wirst du wissen, dass auch der andere Mensch das Selbst ist und nicht dieser Körper. Die wirkliche Realität ist dann, wenn wir verstehen, dass all diese Selbste Teil eines großen Selbst sind, dem Überselbst. Dann können alle diese Beziehungen im guten Sinne selbstisch sein. Ansonsten versuchen wir dem Körper zu dienen, was wir nicht sind. Weil wir nur dem Körper dienen. Und dann versuchen wir, andere zu benutzen, meinem Körper zu dienen. Was auch immer du tust, ob du nun versuchst, glücklich zu sein, zu genießen ..., du versuchst, dem Körper zu dienen, der du nicht bist. Das ist also der grundlegende Fehler in unserem Verständnis. Und durch diesen fundamentalen Fehler wird alles andere falsch. Es ist wie wenn du bestimmte Zahlenreihen miteinander addierst. Wenn du beim Addieren der ersten beiden Zahlen einen Fehler machst, dann wird deine Summe falsch sein, auch wenn du alle übrigen Zahlen korrekt addiert hast. Es wird immer noch falsch sein, denn alle unsere Beziehungen basieren auf dieser Fehlinterpretation mit dem Körper, dann funktioniert alles andere was daraus folgt nicht richtig. Aber wenn du diesen Unterschied zwischen dem Selbst und dem Körper verstehen kannst, dann wird es kein Problem geben. Du kannst immer noch Beziehungen eingehen, es ist nicht so, dass du keine Beziehung haben darfst.

Es ist als wärest du nicht das Auto und trotzdem unterhieltest du deine zwischenmenschlichen Beziehungen auf Grundlage von Autos. Nehmen wir mal an, jemand hat einen Toyota und du fährst auch einen Toyota, dann freundest du dich mit ihm an. Nicht wegen irgendetwas anderem, sondern nur weil er auch einen Toyota fährt. Also treffen sich die Toyotaiten und feiern eine Party. Aber eigentlich sie sind ja gar keine Toyotas [Babaji lacht herzhaft]. Daher werden sie früher oder später Differenzen untereinander haben und alle möglichen Probleme werden auftreten, denn Toyota ist eben nicht die Basis für eine Beziehung. So in etwa.

Weil das Selbst in dir, das Selbst in ihr und das Selbst in ihm alle von gleicher Natur sind, sollst du sie nicht gegeneinander diskriminieren. Du kannst nicht sagen, dass dieses Selbst besser ist als jenes Selbst, nein, ist es nicht. Und alle sind mit Gott verbunden. Du wirst sehen, dass die Unterschiede nur auf der physischen Ebene liegen und nicht auf der spirituellen Ebene, nicht auf der Ebene der Seele oder des Selbst. Auf dieser Ebene sind wir alle gleich, was als erstrebenswert gilt. Die Leute reden von Gleichheit, richtig? "Mann und Frau sind gleich". Es spielt aber keine Rolle, wie viele Male sie es sagen - sie sind nicht gleich. Mann ist Mann, Frau ist Frau. Sie haben jeweils andere Funktionen, andere Biologie, andere Psychologie. Aber auf der Ebene der Seele sind Mann und Frau gleich, völlig gleich. Man kann also versuchen, künstliche Gleichheit zu erreichen, aber das wird künstlich bleiben. Man kann politische Gleichheit haben, das ist gut, Mann und Frau sollten gleiche politische Rechte haben, kein Problem. Aber biologisch kann man sie nicht gleichsetzen.

So wie ich fünf Finger oder vier Finger und einen Daumen habe, die nicht alle gleich sind. Wenn du sie jetzt abschneidest und gleich machst, so wird das nicht richtig funktionieren. Es wird auch sehr hässlich aussehen. Die Schönheit liegt auch in der Vielfalt und in den Unterschieden. Aber wir sollten dadurch nicht parteiisch werden. Wenn ich jetzt anfange zu sagen: "Dieser Finger ist größer als die anderen, also liebe ich diesen Finger mehr als jenen Finger", dann ist das ein Problem. Nein, ich verstehe "der hier ist größer, der andere ist kleiner; dieser hier hat eine Funktion und jener hat auch eine Funktion, beide haben eine Funktion". Und einer davon hat vielleicht mehr Kapazität oder Fähigkeiten, wahrscheinlich ist etwa der Daumen nützlicher als alle anderen Finger. Aber das bedeutet nicht, dass wenn einer der verbleibenden Finger ein Problem hat, ich mich nicht darum kümmere, ich nicht zum Arzt gehe. "Nur wenn der Daumen Probleme hat, dann gehe ich zum Arzt", weil er nämlich von mir bevorzugt wird (Lachen im Publikum).

Diese Voreingenommenheit sollte also nicht da sein, egal ob jemand ein Mann oder eine Frau ist. Wir sollten vielmehr beides respektieren und die Fähigkeit beider anerkennen. Aber wenn man versucht, beide einander künstlich gleichzustellen, dann wird das ein weiteres Problem schaffen. In der Tat, das wird eine ziemlich stressige Situation, denn dann bist du eben nicht selbstisch. Du bist nicht das, was du bist. Jetzt versuchst du, den Schuh eines anderen zu tragen und wirst als Folge davon Fußschmerzen erleiden.

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